Seit der offiziellen Feststellung einer Hungersnot (IPC Phase 5) im August 2025 versorgen wir besonders gefährdete Gruppen flächendeckend – vorrangig Kinder unter fünf Jahren sowie schwangere und stillende Frauen. Das bedeutet für unsere Gaza-Nothilfe: Alle erhalten Zugang zu Vorsorgeuntersuchungen und Hilfe, ohne dass vorher geprüft wird, ob sie akut unterernährt sind. Bei Bedarf werden auch andere Altersgruppen einbezogen.
Davor erfolgte die Auswahl der Begünstigten nach standardisierten Verfahren, die auch in anderen humanitären Krisen angewendet werden. Dabei tauschen Hilfsorganisationen Informationen untereinander aus, um sicherzustellen, dass die Unterstützung gerecht, zielgerichtet und transparent erfolgt.
Seit Anfang 2025 organisiert jedoch die sogenannte Gaza Humanitarian Foundation (GHF) als neue, von den USA und Israel unterstützte Struktur Hilfslieferungen in Gaza. Statt wie zuvor über UN-Cluster wird Hilfe nun über wenige, stark gesicherte Verteilungshubs ausgegeben, oft mit sehr kurzen Öffnungszeiten und unter Aufsicht privater Sicherheitskräfte. Dieser Ansatz soll die Versorgung bündeln, führt aber zu chaotischen Szenen: bei der Essensausgabe kam es wiederholt zu Gedränge, Gewalt und sogar hunderten Todesopfern. Kritisiert wird die GHF vor allem wegen fehlender Transparenz, mangelnder Neutralität und des Vorwurfs, humanitäre Hilfe werde als politisches Druckmittel eingesetzt. Viele Organisationen sehen darin eine Abkehr von etablierten, neutralen humanitären Prinzipien.